Projekt: Bildstörung – ein interaktives Kunstprojekt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

„Bildstörung – ein interaktives Zukunftsprojekt zwischen Studenten und Jugendlichen über Sichtweisen, Einsichten und Perspektiven“.

1. Projekttag: Malerei, Objekt, Performance

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Im Jahr 2009 wurde eine Kooperation zwischen der Fachhochschule Ottersberg und der Clemens-August-Jugendklinik vereinbart, mit dem Ziel, Studierende der Kunsttherapie und psychisch erkrankte Jugendliche gemeinsame neue Erfahrungen in künstlerischen Prozessen machen zu lassen. Initiiert und begleitet wurde das Projekt von Prof. Dr. Peter Sinapius und dem Kunsttherapeuten Martin Böhm, begeleitet und unterstützt vom Chefarzt der Klinik Dr. med. Andreas Romberg

Bislang wurden fünf Projekttage durchgeführt:

- Im Februar 2010 zum Thema                                                                 „Ästhetische Prozesse in unterschiedlichen künstlerischen Gattungen, Malerei, Plastik, Performance“.

- Im Juni 2010 zum Thema                                                                           „Malerei" und anschließende öffentliche Ausstellung im Schaufenster.

- Im Oktober 2010 zum Thema „Land- Art“.

- Im Februar 2011 zum Thema „Theater“.

- Im Juni 2011 zum Thema Performance: "Musik, Rhythmus, Klang und           Melodie".

Projektbeschreibung:

Jeweils eine Gruppe von 6 Studierenden traf eine Gruppe von 6 Jugendlichen in den Räumen und auf dem Gelände der Jugendklinik. Diese arbeiteten in ko-kreativer Weise, also als gleichberechtigte Partner. Eine Begegnung auf Augenhöhe wurde durch eine gemeinsame Themenfindung, Gestaltung und Präsentation möglich. Es nahmen immer andere Jugendliche an den Projekten teil. Hierdurch wurden sehr viele PatientInnen erreicht. Auch die Studierenden wechselten. Resonanzen, Eindrücke und Assoziationen wurden in den folgenden Tagen erhoben. Die Studierenden schrieben Berichte mit den Jugendlichen wurden Interviews geführt. Ein Austausch fand durch E-mails statt.

Die Ergebnisse des Projektes waren für alle Beteiligten in vielerlei Hinsicht überraschend und bemerkenswert: Sowohl die Jugendlichen als auch die Studierenden konnten eingefahrene Sichtweisen und Verhaltensmuster verlassen und entwickelten in ihrer Zusammenarbeit ein erstaunliches kreatives Potential. Die sich entwickelnden ästhetischen Prozesse stärkten ihr Autonomiegefühl, ihre Selbstwahrnehmung und ihr Selbstbewusstsein. Diese Beobachtungen wurden durch die Interviews und Berichte evaluiert und verifiziert.

Das Innovative des Projektes besteht darin, dass Jugendliche ungefähr gleichen Alters, die an unterschiedlichen Stellen ihrer individuellen Entwicklung stehen, mit ästhetischen Mitteln in den Austausch treten. Die ästhetischen Prozesse werden dabei so initiiert, dass eine „intermodale Dezentrierung“ stattfinden kann. Ein Thema, eine gemeinsame Idee dient als Ausgangspunkt, die ästhetischen Mittel und Prozesse dienen als „Möglichkeitsraum“, in dem sich Neues in kreativen Prozessen entwickeln kann. Dabei wirkt sich das künstlerische Studium der Studierenden als Modell aus, an dem sich die psychisch erkrankten Jugendlichen ohne Bevormundungsgefühl orientieren und stabilisieren können. Das gemeinsame bildnerische Gestalten eröffnet neue Perspektiven außerhalb gewohnter Strukturen und stört und erweitert in vielfacher Hinsicht eingefahrene Sichtweisen, Ansichten und Handlungsmuster

Ziele:

1.Ko-kreative, gemeinsame künstlerische Arbeit unter dem Aspekt, eingefahrene Sicht und Sehweisen zu verlassen und neue Möglichkeiten der Kommunikation zu entdecken
2.Modell- und prozesshaftes Lernen im sozialen und ästhetischen Kontext
3.Stärkung von Selbstwahrnehmung und Selbstausdruck, Autonomiestärkung, Identitätsfindung
4.Auflösung hermetischer, sozialer und kultureller Strukturen
5.Entdeckung der Möglichkeiten non-direktiver ästhetischer und sozialer Arbeit

Die Qualitätssicherung erfolgt auf mehreren Ebenen

1.Durch die Darstellung und Diskussion in den therapeutischen und pädagogischen Gremien der Jugendklinik
2.Durch fachliche Begleitung der Studierenden seitens der Fachhochschule
3.Durch wissenschaftliche Begleitung des Projektes durch das „Institut für Kunsttherapie und Forschung

Das Projekt hat Modellcharakter über die beteiligten Institutionen hinaus. Es wird dokumentiert und in den entsprechenden Netzwerken der Fachhochschule, der Kunsttherapie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie veröffentlicht.

Die Ergebnisse werden öffentlich präsentiert. In der Jugendklinik durch dieses durch Ausstellungen, Präsentationen und Presseartikel. Die Jugendlichen sind beteiligt. In der Hochschule Präsentieren die Studierenden die jeweiligen Projekttage im Rahmen des „Studium Generale“.

Ausblick:

Die Kooperation mit der Fachhochschule Ottersberg und den Studierenden soll auch im Jahr 2011  weitergeführt werden. Die Projekte werden dann inhaltlich erweitert zu interdisziplinären Vorhaben. Die bildende Kunst wird bereichert und ergänzt werden durch Elemente des Theaters, der Musik, des Tanzes und der Poesie.

Das Projekt „Bildstörung“ wird dokumentiert, evaluiert und veröffentlicht durch das „Institut für Kunsttherapie und Forschung“.


Neuenkirchen, Ottersberg im Februar 2011


2. Projekttag: Malerei

3. Projekttag: Landart

4. Projekttag: Theater

5. Projekttag: Musik, Rhythmus, Klang


Eine Buchveröffentlichung zur künstlerischen Projektarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist in Vorbereitung. Voraussichtliches Erscheinungsdatum: Herbst 2012. Hrsg: Martin Böhm, Andreas Romberg und Peter Sinapius 


 
In Zusammenarbeit mit der

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